BGH unterstützt das Wechselmodell

Endlich findet der gestiegene väterliche Einsatz bei der Kinderbetreuung  seinen gesetzlichen Niederschlag. Das Wechselmodell ist unter Umständen sogar gegen den Willen eines Elternteils möglich.

Erfolgreich geklagt hatte ein Nürnberger Vater eines 13-jährigen Sohnes. Die Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs vom 1. 2. 2017 fördert damit die gleichberechtigte Betreuung von Scheidungskindern. Der genaue Wortlaut und die Begründungen sind nachzulesen unter:
www.kostenlose-urteile.de/BGH_XII-ZB-60115_Paritaetisches-Wechselmodell-zur-Betreuung-des-Kindes-auch-gegen-den-Willen-eines-Elternteils-moeglich.news23916.htm

Demnach sollen Familiengerichte ein „paritätisches Wohnmodell“ anordnen können, was sich stärker am Kindeswohl orientiert, natürlich nach Anhörung des Kindes! Einschränkend muss man festhalten, dass dies nur möglich ist, wenn die Eltern in erreichbarer Nähe zueinander wohnen und sich bisher auch für das Kind gemeinsam eingesetzt haben, wenn der erhöhte Unterhaltsbedarf gedeckt ist, und wenn sich die Eltern tatsächlich an das Kindeswohl halten und nicht ihre je eigenen Egoismen durchsetzen wollen. 

Die Vorteile einer solchen Regelung sind, dass das Kind keinem Loyalitätskonflikt unterworfen wird – wie bisher, dass es einer sonst alleinerziehenden Mutter viel leichter möglich ist, einen Job anzunehmen und dass es durch die Gleichbehandlung weniger Streit und Stress gibt.

Zwei Punkte verdienen allerdings noch Beachtung:
A) Bei sehr hohem Konfliktpotenzial widerspricht nach Auffassung der Gerichte das Wechselmodell dem Kindeswohl. Mit anderen Worten: Wenn es die Mutter darauf anlegt, einen Konflikt eskalieren zu lassen – das ist stets leichter als einen Konsens herbei zu führen – dann bekommt sie mit größter Wahrscheinlichkeit das Kind im Residenzmodell zugesprochen.
B) Nach wie vor sind Unterhaltsleistungen an den schwächer verdienenden Elternteil zu zahlen, wenn auch nicht im bisherigen Umfang.